KI „spart“ Jobs, frisst Budgets und zieht ins Weltall | Projecter Weekly #5 2026

Zusammenfassen mit ChatGPT

Die Tech-Riesen Alphabet, Meta, Tesla und Microsoft haben ihre Zahlen für Q4 2025 vorgelegt: Wir haben für euch zusammengefasst, wie es bei allen so läuft. Schaut man sich die News rund um ChatGPT Ads an, braucht OpenAI hingegen anscheinend dringend Geld.

Diese Woche erfahrt ihr außerdem …

🧞‍♂️  warum Googles Genie die Gaming-Branche gefährdet,

🤖  was es mit Moltbook auf sich hat,

💭  was die Neuerungen der AI Overviews für Publisher bedeuten.

Entwicklungen & Trends

Massenentlassungen bei Amazon und Pinterest

Schon im Oktober hatte Amazon in den USA 14.000 Mitarbeiter*innen entlassen, nun sollen weitere 16.000 Stellen gestrichen werden, wie das Unternehmen in einem Schreiben an die Belegschaft mitteilte. Begründet werden beide Entlassungswellen mit dem Einstellungsboom während Corona … und natürlich mit erwarteten Effizienzgewinnen durch KI. Außerdem werden die Amazon Fresh und Go Läden eingestellt, daneben sind von den Kündigungen wohl vor allem das Cloud-Geschäft AWS, Prime Video und die Personalabteilung betroffen. In der Summe sollen etwa zehn Prozent der Verwaltung betroffen sein.

Auch Pinterest kündigte letzte Woche an, rund 15 Prozent der Belegschaft zu entlassen, das dürften knapp 700 gestrichene Stellen sein. Auch hier wird das mit dem Einsatz von KI begründet. Als bitter-ironisches Update dazu feuerte Pinterest nun zwei Mitarbeitende, die einen Tracker programmiert hatten, der anhand von internen Tools und Informationen (z. B. wer in Slack deaktiviert wird) eine Übersicht generierte, welche Stellen wo im Unternehmen gestrichen wurden. Das war dann wohl zu viel Transparenz.

Wir gehen davon aus, dass uns das Thema der KI-induzierten (Massen-)entlassungen dieses Jahr weiterhin begleiten wird und ergänzen deswegen noch diesen spannenden Artikel aus F.A.Z. Digitalwirtschaft. Laut einer globalen Studie gaben zwar 60 % der befragten Führungskräfte an, aufgrund von KI bereits Personal reduziert oder Neueinstellungen gebremst zu haben, allerdings hatten die meisten noch gar keine konkreten Effekte beobachtet. Die Entlassungen wurden also in Erwartung zukünftiger KI-Effizienzgewinne getätigt. Das deckt sich durchaus mit anderen Studien zum Thema und zeigt wohl auch, dass KI in vielen Fällen eher als Grund vorgeschoben wird. 

Läuft bei Alphabet

Googles Mutterkonzern Alphabet verkündete gestern die Quartalszahlen für Q4 2025 und übertraf die Umsatzerwartungen mit 115 Mrd. um 20 %. Besonders gut lief das Cloud-Business (+ 50 %). Lediglich die YouTube-Werbung blieb etwas hinter den Erwartungen zurück, wuchs aber dennoch um 10 %. Trotz dieser positiven News sackte die Aktie erstmal deutlich ab, da Investor*innen wohl von den geplanten Investitionen in KI-Infrastruktur geschockt waren. Satte 185 Mrd. Dollar will Alphabet 2026 in diesem Bereich investieren – doppelt soviel wie 2025.

Die Aktien der Chip-Hersteller Nvidia und Broadcom stiegen als Reaktion auf diese Nachrichten, denn dort wird wohl ein Teil des Geldes hinfließen. Mit diesen Investitionen in Gemini und die dazugehörige Infrastruktur macht Alphabet auch eine klare Ansage an Konkurrenten wie Meta, die in dem KI-Wettrüsten jetzt noch mehr unter Zugzwang geraten.

Spaceboy und das KI-Wettrüsten

Neben Alphabet legten auch Meta, Tesla und Microsoft in den letzten Tagen ihre Quartalszahlen vor.

Auf den ersten Blick sieht es mit Rekordumsätzen in Q4 sehr gut aus bei Meta. Auch für dieses Quartal wurde mit 57 Mrd. Dollar mehr Umsatz angekündigt als die erwarteten 51 Mrd. Ebenfalls über den Erwartungen: Meta möchte 2026 bis zu 135 Mrd. Dollar in Rechenzentren und weitere Infrastruktur investieren … ja richtig, für KI. Das war letzte Woche noch richtig viel, wurde nun aber von Alphabet (siehe oben) in den Schatten gestellt. 

Bei Microsoft lief es ungefähr den Erwartungen entsprechend, die Cloud-Sparte Azure wuchs mit „nur“ 39 % aber etwas schwächer als erwartet. Das zum Konzern gehörende LinkedIn erzielte erstmals über 5 Mrd. Dollar Umsatz pro Quartal, mit einem Wachstum von 11 %. In Sachen Nutzerzahlen liegt LinkedIn wohl etwa bei 1,3 Mrd. Accounts und etwa 600 Mio. monatliche aktive Nutzer*innen. 

Bei Tesla schaut es durchwachsen aus, da der Umsatz um 3 % gesunken ist. Dafür baut Elon Musk sein Imperium gerade grundlegend um und schiebt alles in Richtung KI (wie überraschend). Wir fassen zusammen:

Long story short: Finanziell läuft es für die Tech-Riesen gut bis sehr gut, allerdings mit sehr riskanten Investitionsstrategien. Die Diskussion um die KI-Bubble ist genauso aktuell wie letztes Jahr. In der Zwischenzeit wird politisch die Luft dünner, da Meta, Amazon, Microsoft, Google & Co. zwar vom Kuschelkurs mit der Trump-Regierung brutal profitieren, sich gleichzeitig aber immer mehr Widerstand in der Öffentlichkeit, in den eigenen Belegschaften und im Rest der Welt regt. Nicht zu vergessen die Veröffentlichung der Epstein-Files, die unter vielen anderen auch Microsoft-Gründer Bill Gates stark unter Druck setzen.

KI News

Die KI Updates der Woche im Überblick

Google hat das nächste große Ding rausgehauen: Project Genie, ein experimentelles KI-World-Model. Die KI simuliert interaktive 3D-Welten, in denen Nutzer*innen Bewegungen und Zusammenhänge direkt „erleben“ können – und entwickelt sich damit so langsam weg von der LLM hin zu einer Umgebung, in der Storytelling und Produktwelten völlig neu gedacht werden können. Damit deutet Google an, wohin die Reise geht: von generativer KI hin zu erlebbaren KI-Systemen.

Genie hat die Gaming-Branche spürbar erschüttert: Die Aktien von Take-Two, Roblox und Unity verloren teils zweistellig. Googles begehbare Spielwelt, sozusagen ein „ChatGPT für Games“, ist für Investor*innen das Warnsignal, dass klassische Game-Engines und Entwicklungsmodelle schneller unter Druck geraten könnten als gedacht. Zumal die „traditionelle“ Entwicklung von Video-Spielen zum Teil Jahre oder Jahrzehnte dauert.

Anthropic hat die Constitution seines Chatbots Claude überarbeitet: ein „living document“, das den „context in which Claude operates and the kind of entity we would like Claude to be“ erklärt. Damit macht das Unternehmen Ethik, Machtbegrenzung und gesellschaftliche Verantwortung zu einem zentralen Produktmerkmal seines Bots und grenzt sich von anderen KI-Anbietern ab. Ganz allgemein heißt das,KI wird nicht nur leistungsfähiger, sondern auch konzeptionell komplexer.

Mittlerweile seid ihr bestimmt auch schon über Moltbook gestolpert: dabei handelt es sich um das soziales Netzwerk des Projekts „Open Claw“, einem vom Programmierer Peter Steinberger entwickelten KI-Agenten. Die Besonderheit des nach dem Reddit-Vorbild aufgebauten Netzwerks: dort dürfen wirklich nur KI-Agenten posten und interagieren, Menschen sind lediglich Zuschauer*innen. Die Plattform wuchs in wenigen Tagen auf Hunderttausende KI-Accounts, deren Beiträge von philosophischen Debatten bis zu kuriosen Bot-Religionen reichen und Fragen nach Autonomie und Bewusstsein aufwerfen. Gleichzeitig sorgte in den letzten Tagen ein massiver Sicherheitsvorfall für Schlagzeilen – mal sehen, wie sich das Thema noch weiterentwickelt.

Quelle: Handelsblatt

In der letzten Ausgabe konnten wir schon über erste ungefähre Preisangaben für zukünftige ChatGPT Ads berichten, jetzt legt OpenAI nach. Für den Einstieg sollen Werbekund*innen laut Berichten ein Mindestbudget von rund 200.000 US-Dollar einplanen – holla. Klingt fast so als würde sich OpenAI die Finanzierung durch Ads möglichst leicht machen wollen. Damit wird ChatGPT jetzt schon als Premium-Umfeld positioniert, das sich fürs Erste wohl (leider) nur Marktriesen wie Amazon, Temu & Co. werden leisten können.

Disney ergibt sich: Nachdem das Unternehmen sich lange Zeit gegen die Nutzung der eigenen Produktionen und Charaktere von AI gewehrt hat, werden die Pläne nun konkreter. Unter anderem sollen zukünftig im Horizontal-Feed der Disney+ App KI-generierte Clips mit bekannten Charakteren aus dem Disney-Kosmos zu sehen sein. Zum Hintergrund: Vor mehreren Wochen hatten OpenAI und Disney ihre Kooperation angekündigt.

Auch Amazon will seine Partnerschaft mit OpenAI vertiefen: Das Unternehmen plant laut Medienberichten eine massive Investition von bis zu 50 Milliarden US-Dollar und würde damit seine bestehende Partnerschaft deutlich ausbauen. Im Fokus steht der Ausbau von Rechenkapazitäten über Amazon Web Services, um den wachsenden KI-Bedarf von ChatGPT zu decken. 

Suchmaschinen

Google pusht KI-Modus: Das neue Dilemma für Publisher

Google leitet Nutzer*innen in der mobilen Suche nun direkt in den KI-Modus weiter, sobald sie Folgefragen in den AI Overviews eingeben. Statt User auf klassische Webseiten zu lotsen, landen sie also jetzt direkt in der Chat-Umgebung mit Gemini 3, um dort Antworten auf weiterführende Fragen oder Produktempfehlungen zu erhalten. Klicks über die organische Suche könnten dadurch geringer ausfallen.

Quelle: Google

Zwar stellt Google derzeit eine Opt-out-Option in Aussicht, mit der Publisher der KI-Nutzung ihrer Inhalte widersprechen können, doch Expert*innen warnen vor einem Dilemma: Wer aussteigt, kann in der neuen KI-gesteuerten Suchwelt an Sichtbarkeit und Traffic verlieren; wer bleibt, liefert wertvollen Content ohne angemessene Kompensation. Am Ende steht die Branche vor der existenziellen Frage, wie ein faires Beteiligungsmodell in einer „Search-without-Clicks“-Ära aussehen kann. Die neue Funktion zur Stärkung des KI-Modus ist aktuell nur mobil verfügbar.

Lesetipps & Empfehlungen

KI ohne Zusammenhang nutzen – nicht die beste Idee

Gegen eine Überdosis spacige AI News haben wir hier noch einen eher philosophischen Longread. Die Autorin erklärt anhand von „Coherence“ – also Zusammenhang – warum der Einsatz von KI in großen Unternehmen oder Organisationen zu sehr durchwachsenen Resultaten führen kann. Sobald einheitlicher Kontext fehlt, kommt es zu immer mehr Inkonsistenzen, bis hin zum „AI Work Slop“, über den wir bereits berichteten. Die gute Nachricht: Für Selbständige oder kleine Unternehmen ist es viel einfacher, die nötige „Coherence“ zu erhalten.

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