Content-Diebstahl – 8 Maßnahmen für betroffene Blogs

geschrieben am in der Kategorie Affiliate Marketing von

Vor kurzem haben wir euch über den vermehrt festgestellten Content-Diebstahl und das dreiste Kopieren von Blogs informiert. Blogs, meistens Fashion-, Reise- und Lifestyleblogs, wurden komplett geklont und unter anderer oder ähnlicher Adresse wieder veröffentlicht. Daneben ist auch aufgefallen, dass neue Blogbeiträge des Originals automatisch auch auf dem dreisten Klon zu finden sind. Die Hintergründe und das „Warum tun die das?“ haben wir bereits im vorigem Beitrag beschrieben. Mit diesem Beitrag wollen wir auf 8 Gegenmaßnahmen eingehen, die wir im Gespräch und Kontakt mit den Betroffenen erfahren haben und zugleich deren etwaigen subjektiven Erfolgscharakter darstellen:

1. „Ich stelle Anzeige bei der Polizei!“

Dies war die erste Reaktion, die wir von betroffenen Bloggerinnen und Blogger vernommen haben. Inhalt der Anzeigen sind dabei Verletzungen des Urheberrechts sowie etwaige Betrugsfälle. Das große Problem und somit Fragezeichen bei dieser Sache ist und bleibt die Identität der Hintermänner. Die Wahrscheinlichkeit, diese zu finden, ist leider schwindend gering: Die Daten in den jeweiligen Impressen sind natürlich frei erfunden – ihr erinnert Euch an das Kloster Gnadenhalt oder die AOK Plus Filiale – und auch ein Domain Check bzw. eine whois-Abfrage liefert keine wirklichen Ergebnisse. Die Kontaktdaten der Domain beinhalten zwar Adresse, Name sowie weitere Angaben zur Domain und der Person dahinter, allerdings handelt es sich hierbei meistens um fiktive Adressen bzw. Namen. Domain-Registrierungen werden quasi anonym vollzogen. Dennoch ist eine Anzeige als ratsam anzusehen, da durch das proaktive Vorgehen gegen den Klon dessen negative „Strahlungseffekte“ im Falle von Betrug nicht allumfassend auf das Original – und somit euch – übertragen werden. Wichtig hierbei: Sichert die Beweise bspw. durch Screenshots und übergebt diese der Polizei oder eurem Anwalt.

2. „Ich informiere meinen Hoster!“

Viele Bloggerinnen und Blogger setzen sich nach dem ersten Schreck gleich mit ihrem Hoster in Verbindung und schildern  dort den Vorfall. Leider können diese an sich rein gar nichts unternehmen, sind ihnen doch auch die Hände gebunden. Jedoch kann die vermehrte Meldung von Klonen und Kopien dazu führen, dass die Problematik beim jeweiligen Hoster auf die Agenda gesetzt wird und Gegenmaßnahmen entwickelt werden. Getreu dem Motto „Kleinvieh macht auch Mist“ kann dies auch hilfreich sein. Oftmals wird man jedoch die Meldung bekommen, dass man sich hierfür nicht zuständig fühlt.

3. „Ich informiere den Hoster des Klons!“

Was jedoch nicht ganz zu vernachlässigen ist, ist die Benachrichtigung des Hosters des Klons. Diesen findet ihr mit der bereits beschriebenen whois-Abfrage heraus und könnt diesen auch mit der Problematik konfrontieren. Die Erfolgswahrscheinlichkeit ist hier natürlich nicht die größte, allerdings hat dies bei einigen Bloggerinnen und Blogger schon erfolgreich funktioniert.

4. „Ich übernehme die Seite einfach!“

Auch wenn diese Aussage etwas plakativ erscheinen mag, sie kann dennoch erfolgreich sein. Finden sich im Klon die identischen Personendaten, z. B. im Impressum oder der Domainregistrierung, so kann ein Übernahmeantrag, ein sog. „Change Request“, der Domain gestellt werden.

5. „Ich melde den Missbrauch bei Google!“

Auch wenn viele davon absehen und meinen „Bei Google erreich ich doch eh niemanden!“, so ist dieses Vorgehen nicht ganz zu verachten. So kann das Problem des Duplicate Content gelöst werden, indem Google die jeweilige Fake-Domain aus dem Index wirft. Meist ist es so, dass die Klone aufgrund ihrer Kurzlebigkeit keine oder kaum Rankings haben. Die Betreiber der Klone setzen auch nicht auf Google und den Traffic durch die Suchmaschine, sodass ihnen eine Deindexierung kaum wehtun wird. Dennoch kann man so als Blogbetreiber zumindest sicher sein, dass nur noch das Original bei Google rankt und kein Duplicate Content Problem entsteht. Um das erreichen zu können auch eine DMCA-Beschwerde gestellt werden. DMCA steht für Digital Millennium Copyright Act und ist ein Urhebergesetz in den USA, welches sich mit der Verbreitung und Weitergabe von urheberrechtlich-geschützten Inhalten befasst. Ist euer Blog kopiert, so könnt ihr eine Beschwerde („Complain“) bei Google oder Microsoft einreichen. Wird eurer Beschwerde stattgegeben, dann wird die jeweilige Seite aus den Ergebnissen bei Google oder Bing entfernt. Daneben findet sich, meistens direkt unter den Suchergebnissen, der Verweis auf die Beschwerde:

Verweis Beschwerde

6. „Ich sicher mir alle .com, .net – Endungen!“

Viele Bloggerinnen und Blogger haben festgestellt, das ihre Blogs 1:1 auf einer anderen Domain, z. B. .com oder .net, gespiegelt werden. Um dem entgegenzuwirken, haben einige auch gleich die .com oder .net Domain gesichert. Dieses Vorgehen schützt zwar davor, dass sich der Klone auf die ähnliche Domain stürzt, allerdings haben wir ja auch gesehen, dass mittlerweile auch fremde Domains und Namen als Platzhalter für die Kopien dienen.

7. „Ich schließe die IP des Klons aus!“

Um die IP-Adresse herausfinden zu können, schlagen wir euch vor, den Anweisungen von niedblog.de zu folgen. Auch raten wir euch dazu, dies von „Experten“ durchführen zu lassen oder zumindest von Personen mit Erfahrung.

1. Erstellt auf dem eigenen Server eine PHP-Datei mit folgendem Inhalt (z. B. spiegel.php):

IP des Klons ausschließen

PHP-Inhalt zur Identifikation der IP-Adresse des Klons (http://niedblog.de/blog-kopiert-name-geklaut/; Abruf 30.01.2015)

 

Dies wär am Beispiel von niedblog.de http://niedblog.de/spiegel.php

2. Ruft die gespiegelte Domain unter der gleichen Adresse auf – in diesem Beispiel wäre es die http://niedblog.com/spiegel.php – und schon habt ihr die IP-Adresse Eures Klons. Sucht einfach den Eintrag REMOTE_ADDR und notiert Euch die IP-Adresse.

3. Entfernt die PHP-Datei wieder.

4. Sperrt die IP-Adresse in der .htcaccess mit dem Befehl „deny from [IP-Adresse des Klons]“. Falls ihr keine .htcaccess auf dem Server habt, folgt der ausführlichen Anleitung von seiten-wechsel.org.

Nun ist, zumindest temporär, der Klon ausgesperrt und kann Inhalte nicht mehr bei euch abrufen und aktualisieren.

Falls ihr WordPress benutzt, dann könnt ihr die index.php von WordPress leicht verändern und eine Umleitung einrichten. Die Vorgehensweise findet ihr hier. Hierdurch könnt ihr auf dem Fake zugleich eine Warnmeldung platzieren, was wir Euch exemplarisch mal für den niedblog.de darstellen:

Fakeblog

Fake von niedblog.de mit geänderter index.php (http://niedblog.com/; Abruf 30.01.2015)

 

8. „Ich melde den Missbrauch den jeweiligen Affiliate Netzwerken!“

“Last but not least” ein nicht zu vernachlässigender Punkt – die Missbrauchsmeldung bei den jeweiligen Netzwerken. Hier sind wir als Agentur auch auf die Klone gestoßen, die sich vermehrt in den Bewerbungen unserer Partnerprogramme eingeschlichen hatten und wir melden diese auch in regelmäßigen Abständen bei den entsprechenden Netzwerken. Solltet ihr feststellen, dass eurer Klon ebenfalls in einem Affiliate Netzwerk aktiv ist, dann meldet diesen dem entsprechenden Netzwerk. Anschließend wird der Klon nach interner Überprüfung sofort aus dem Programm geschmissen und die betrügerischen Aktivitäten zur Generierung von Einnahmen werden, zumindest für diesen Blog, zum Teil unterbunden. Dem ein oder anderen ist es sogar gelungen, den Account im jeweiligen Affiliate-Netzwerk zu übernehmen. Hier war auffällig, dass die jeweiligen Affiliate-Accounts noch im Aufbau waren und Bankverbindungen & Co. sowie aktive Einbindungen von Werbemitteln noch nicht getätigt wurden. Dies würde mit von uns proklamierten Vorgehensweise des „Schläfers“ passen: Nach einiger Schlummerphase werden im Hochstarts Klicks und Sales durch bspw. Brand-Bidding realisiert, die erst dann mit einer Bankverbindung versehen werden.

Johannes ist seit Oktober 2014 Teil des Projecter-Teams. Während seines BWL-Studiums hat er bereits erste Erfahrungen im Online-Marketing gesammelt. In mehreren Praktika konnte Johannes schon in die Tiefen von AdWords, BingAds & Co. abtauchen und seine Kenntnisse weiter ausbauen.

Einen Kommentar schreiben

* Pflichtfelder

  1. Das ist selbstverständlich eine sehr ärgerliche Sache. Ich wusste gar nicht dass man die Domain dann einfach übernehmen kann.

    • Hallo,

      so ganz einfach ist die Sache jedoch nicht – eine Übernahme kann nur dann beantragt werden, wenn die bei der Domain-Registrierung sowie im Impressum hinterlegten Daten mit den eigenen Personendaten übereinstimmen.
      Zum Anfang der “Content-Klau und -Diebstahl”-Phase haben die Betrüger auf abweichende Personendaten verzichtet, weshalb die Betroffenen hier “Glück im Unglück” hatten. Sind die Personendaten allerdings unterschiedlich, so kann dieses Vorgehen, zumindest nach unserem Wissen, nicht so einfach angewandt werden.
      Falls der eine oder andere hier natürlich mehr Wissen und Erfahrung hat, so kann er dies natürlich gerne hier anbringen!

      Beste Grüße,

      Johannes

  2. Danke für den klasse Fachartikel.
    Habe selbst schon Probleme mit dem Thema Content-Klau gehabt.
    Die beschriebenen Maßnahmen habe ich direkt mal ausgedruckt.

    Danke

    • Hallo Patrick,

      vielen Dank für dein Feedback.
      Freut mich, dass du dir die Maßnahmen ausgedruckt hast.

      Viele Grüße aus Leipzig,

      Johannes