SEA News 08/2026: ChatGPT Ads sind in Europa gestartet – was ihr jetzt dazu wissen müsst
OpenAI bringt ChatGPT Ads erstmals nach Deutschland und in 30 weitere europäische Märkte, während Google gleich an mehreren Stellschrauben dreht – vom Ende des manuellen Sprachtargetings über mehr Mitspracherecht bei der Kanalverteilung in Performance Max bis hin zu einem neuen Reporting für Neukundengewinnung ohne Bidding-Einfluss. Auch bei Microsoft und Amazon hat sich im August einiges getan. Wir haben die wichtigsten Updates wieder für euch zusammengefasst!
Entwicklungen & Trends
ChatGPT Ads starten in Deutschland mit eingeschränkter Pilotphase
OpenAI bringt ChatGPT Ads erstmals nach Deutschland: Seit letzter Woche gibt es ChatGPT Ads in 31 europäischen Märkten, darunter Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien und Österreich – die bislang größte Expansion seit dem US-Pilotprojekt im Februar. Zugang gibt es zunächst über das OpenAI Ads Solutions Team sowie über Agentur- und Technologiepartner. Der Self-Service über den Ads Manager soll in den kommenden Wochen folgen. Angezeigt werden Ads ausschließlich auf Free- und Go-Plänen; Plus, Pro und Enterprise bleiben werbefrei. Mehr dazu lest ihr in unserer PJ Weekly Ausgabe #30.
Für den europäischen Markt ist das ein handfester neuer Kanal mit noch überschaubarer Konkurrenz, gleichzeitig aber auch das übliche Neuland: kaum Benchmarks, wenig Erfahrungswerte zur Creative-Performance und offene Fragen rund um Attribution. Wir verfolgen das Thema natürlich engmaschig und stehen in den Startlöchern, euch dann dabei unterstützen zu können.

Google Ads
Sprachtargeting auf Kampagnenebene wird abgeschafft
Ende September verschwindet die manuelle Spracheinstellung aus Suchkampagnen sowie aus dem Such-Inventar von Performance Max. Google entfernt das Sprachtargeting und verlagert die Verantwortung für das Sprach-Matching vollständig auf die eigenen automatisierten Signale: Sprache der Anzeige, Sprache der Landingpage sowie Googles Einschätzung, welche Sprachen Nutzer*innen verstehen. Für PMax gilt die Änderung ausschließlich für Google Search – auf YouTube, Display, Discover und Gmail bleibt die bisherige Spracheinstellung bestehen.
Bestehende Kampagnenstrukturen müssen nicht angefasst werden, einzelsprachige Set-ups funktionieren laut Google weiterhin normal. Eine Bereinigung alter Sprachkriterien ist optional, aber nicht notwendig, da diese schlicht nicht mehr greifen. Wichtiger wird stattdessen, dass Anzeigentexte und Landingpages sauber der jeweiligen Zielsprache zugeordnet sind, denn genau darauf stützt sich das Matching künftig.
Bemerkenswert ist der Vorlauf dieser Änderung: Google hatte die Abschaffung ursprünglich schon für Ende 2025 angekündigt und dann stillschweigend verschoben. Wer auf Mehrsprachigkeit über getrennte Kampagnen pro Sprache setzt, muss also nichts umbauen, sollte aber genau beobachten, ob die KI-gestützte Sprachzuordnung in der Praxis so sauber funktioniert wie in der Theorie versprochen. Gerade bei Märkten mit mehreren Amtssprachen oder bei Kund*innen, die bewusst zwischen Sprachvarianten unterscheiden, lohnt sich ein Blick auf die Auslieferung nach dem Stichtag.
Mehr Kontrolle über die Kanalpriorisierung in Performance Max
Eine der meistgeforderten PMax-Funktionen scheint tatsächlich zu kommen: Google testet aktuell im Alpha-Stadium eine neue „Channels“-Einstellung, mit der sich Suche, YouTube, Display, Discover, Gmail und Maps einzeln positiv oder negativ gewichten lassen. Eine positive Anpassung lockert den akzeptierten CPA für den jeweiligen Kanal, eine negative zieht ihn enger und signalisiert dem Algorithmus damit, dort vorsichtiger zu sein.

Nach Jahren, in denen Werbetreibende bei PMax mangels direkter Eingriffsmöglichkeiten vor allem über Assets, Zielgruppensignale und Robustheit der Daten indirekt Einfluss nehmen konnten, wäre das ein handfester Hebel. Vorsicht ist trotzdem angebracht: Wer einen Kanal aggressiv zurückschraubt, weil dessen direkt zugeordneter CPA schlecht aussieht, riskiert, dass Nachfrage oder Conversions an anderer Stelle in der Kampagne einbrechen, etwa wenn YouTube oder Display eigentlich früh in der Journey unterstützen. Vor dem Einsatz solltet ihr daher den Channel Performance Report und unterstützte Conversions prüfen, statt Budget vorschnell aus vermeintlich schwachen Kanälen abzuziehen.
VTC-Optimierung in Demand Gen wird zum Video-Only-Feature
Google baut die View-Through-Conversion-Optimierung in Demand Gen deutlich um. Ab sofort gilt VTC-Optimierung nur noch für Video-Assets – Bild-VTCs wandern in sekundäre Conversion-Spalten und sind weder bietbar noch tauchen sie noch in der primären „Conversions“-Spalte auf. Bei neu angelegten Demand-Gen-Kampagnen ist VTC-Optimierung künftig standardmäßig aktiviert, bestehende Kampagnen behalten ihre bisherige Einstellung.
Gleichzeitig wird das Inventar erweitert: Neben YouTube und Discover Feed ist künftig auch das Display Network eingeschlossen. Und hier kommt der Teil, der wirklich ins Budget geht: Video-Assets auf Display wechseln von CPC- auf CPM-Abrechnung, und zwar unabhängig davon, ob VTC-Optimierung überhaupt aktiviert ist. Wer bislang stark auf bildlastige Demand-Gen-Creatives gesetzt hat, verliert dort die VTC-Gebotsoption komplett, während video-lastige Set-ups auf Display ihre Kostenlogik grundlegend ändern. Da die neue Standardeinstellung „aktiv“ lautet, sollten neu angelegte Kampagnen bei der Einrichtung bewusst geprüft werden, statt sich blind auf die Werkseinstellung zu verlassen.
Ein Reporting für Neukundengewinnung
Google Ads hat unter Customer Acquisition eine dritte Option namens „Report on new customers acquired“ eingeführt. Damit lässt sich die Performance bei Neukund*innen messen, ohne dass dies Einfluss auf das Gebotsverhalten nimmt – die Spalten „New customers“ und „New customer value“ werden freigeschaltet, ohne dass Googles Algorithmen ihre Priorisierung ändern.

Bislang griffen viele Werbetreibende zu einem Trick: Sie aktivierten „Bid higher for new customers“ und setzten den Wert auf 0,01, um zumindest die Reporting-Spalten zu bekommen, ohne das Bidding nennenswert zu verzerren. Dass Google diesen Workaround nun offiziell ablöst, ist überfällig und macht Messung und Optimierung sauber trennbar, ein Schritt, der besonders für Kund*innen mit Fokus auf Customer Lifetime Value relevant ist.
Enhanced Matching für Customer Match
In einigen Accounts taucht unter den Customer-Match-Einstellungen bereits eine neue Option namens Enhanced Matching auf. Ist sie aktiviert, sollen darüber Kundenlisten mit eingewilligten Nutzer*innen bei teilnehmenden Publishern abgeglichen und die Reichweite so vergrößert werden können, dass keine zusätzlichen Listen aufgebaut werden müssen. Details zu Umfang und beteiligten Publishern hält Google bislang zurück, das Feature scheint sich noch in einer frühen Testphase zu befinden. Interessant ist vor allem die Consent-Formulierung, denn es werden ausdrücklich nur eingewilligte Nutzer*innen miteinander abgeglichen, ein Zeichen dafür, dass Google das Feature bewusst innerhalb seines Datenschutz-Rahmenwerks positioniert.
Microsoft Ads
AI Max jetzt weltweit für alle Suchkampagnen verfügbar
Microsoft rollt AI Max global für alle Accounts aus. Das Paket kombiniert Search Term Matching, Text-Customization und Final-URL-Expansion, um über bestehende Keywords hinaus Reichweite aufzubauen, passende Anzeigentexte zu generieren und User je nach Intention auf passende Landingpages zu leiten. Features lassen sich einzeln aktivieren, bestehende automatisch generierte Text-Assets sowie Predictive-Matching-Einstellungen wandern automatisch in AI Max.

Max CPC verschwindet aus neuen Kampagnen
Ab dem 1. Oktober ist Max CPC bei der Neuanlage von Kampagnen mit Target CPA, Target ROAS, Maximize Conversions, Maximize Conversion Value oder Maximize Clicks nicht mehr verfügbar. Microsoft begründet das damit, dass die Deckelung dem automatisierten Bidding widersprüchliche Signale sendet, selbst wenn der Max-CPC-Wert über dem durchschnittlichen CPC liegt. Bestehende Kampagnen behalten die Einstellung, ebenso Portfolio-Gebotsstrategien. Wer Max CPC bislang als Sicherheitsnetz gegen ausufernde Einzelgebote genutzt hat, muss ab Oktober also auf Budgets, Ziel-CPA/ROAS und Conversion-Value-Regeln als Ersatzsteuerung umsteigen.
Neue Excluded Content Terms für Audience Ads
Werbetreibende können jetzt gezielt Begriffe hinterlegen, bei deren Vorkommen im Seitentitel Audience Ads nicht ausgespielt werden – bis zu 1.000 Begriffe pro Account oder Kampagne, Kampagnen-Exclusions greifen automatisch kontoweit. Im Vergleich zu klassischen Website-Exclusion-Listen oder den bestehenden IAS-gestützten Content-Exclusions bietet das deutlich granularere Kontrolle über das Umfeld, in dem Anzeigen erscheinen.

Amazon Ads
Sponsored Products laufen jetzt auch in Creator-Content
Seit dem 10. August erscheinen Sponsored-Products-Kampagnen auch innerhalb von Creator-Inhalten im Amazon Influencer Program – Rezensionen, Kaufratgeber und redaktionelle Beiträge inklusive. Bestehende Kampagnen wurden automatisch zu den aktuellen Geboten und Budgets eingebucht, ein Opt-in ist nicht nötig. Amazon schlägt Creatorn passende Produkte vor, die Auswahl, welches Produkt tatsächlich featured wird, treffen diese selbst. Einzelne Creator lassen sich ausschließen.
Jetzt geht Amazon noch einen Schritt weiter: Sponsored-Products-Kampagnen werden automatisch auch außerhalb von Amazon auf externen Websites und in Apps ausgespielt. Die Option „Increase reach off-Amazon“ wurde für bestehende SP-Kampagnen standardmäßig aktiviert. Wer keine Off-Amazon-Placements nutzen möchte, muss die Funktion in den Kampagneneinstellungen manuell deaktivieren.
Der Haken steckt im Detail: Platzierungsanpassungen für Top of Search oder Produktseiten gelten für Off-Amazon-Placements ausdrücklich nicht, während das Maximalgebot weiterhin für alle Klicks einheitlich greift. Wer bislang stark über Placement-Modifier gesteuert hat, sieht sein effektives Gebotsprofil also verschieben, ohne dass irgendjemand aktiv etwas geändert hätte.
Kontrollieren lässt sich das Ganze über die Einstellung „Limit off-Amazon spend“ beziehungsweise die seit Juni verfügbare Bulksheet-Spalte für das Off-Amazon-Ad-Serving – ein Blick in den Placement Report der eigenen Kampagnen ist aktuell definitiv empfehlenswert.




