Social Media Auslese April 2022

Dass Elon Musk Twitter übernommen hat, war ohne Zweifel das beherrschende Thema der Social-Media-Welt im April. Für 44 Milliarden US-Dollar will der Unternehmer die Plattform umgestalten und die Meinungsfreiheit stärken. Die Positionen dazu sind erwartungsgemäß so bunt wie das Internet selbst. Besonders kritisch sehen Teile der Internetgemeinschaft die mögliche Reaktivierung gesperrter Konten. Nicht umsonst wurde etwa das Konto des Ex-Präsidenten Donald Trump aufgrund von Falschmeldungen und Diffamierungen gesperrt.

Wir blicken gespannt auf die Entwicklungen der nächsten Monate. Bis dahin lest ihr in dieser Auslese, was ihr jetzt beim Facebook Targeting beachten müsst, warum TikTok neuerdings eine eigene Universität hat und welche Neuigkeiten es im Bereich Social Media noch gab.

Meta

Wachstum ohne Ende?

Facebook konnte die Anzahl seiner täglichen NutzerInnen trotz des geschwächten Umsatzwachstums, teilweise bedingt durch den Krieg in der Ukraine, wieder auf Kurs bringen. Im Vergleich zum ersten Quartal 2021 hat das Meta-Netzwerk nun vier Prozent mehr. Der größte Anteil kommt weiterhin aus dem asiatisch-pazifischen Raum, wo die App immer noch in Entwicklungsmärkte vordringt und steigende Nutzerzahlen vorweist.

Facebook

Targeting #1: Knapp vorbei ist auch daneben

Jetzt bitte nicht enttäuscht sein: Eine Studie der North Carolina State University kommt zu dem Ergebnis, dass das Interessen-Targeting bei Facebook in über 30 Prozent der Fälle nicht korrekt funktioniert. Um das zu untersuchen, haben die ForscherInnen neue Facebook-Accounts erstellt und diese mit bestimmten demografischen Daten und Verhaltensweisen betrieben. Anschließend haben sie alle generierten Interessen, die Facebook den Accounts zuordnete, erfasst.

Dabei kam heraus, dass schon minimale Aktionen, wie das bloße Scrollen durch eine Seite, dazu führen, dass Facebook dem Account ein Interesse am entsprechenden Thema nachsagt. Auch zwischen positiven und negativen Interaktionen von NutzerInnen zu unterscheiden, stellt für Facebook laut der Studie eine Schwierigkeit dar. Beispielsweise ordnet es Personen, die negative Kommentare auf bestimmten Seiten hinterlassen haben, fälschlicherweise ein Interesse an den entsprechenden Themen zu.

Die große Frage für Social Marketer, gerade mit Blick auf das eingesetzt Budget, ist nun: Was kann man dagegen tun? Nun ja, leider nicht viel. Ein Tipp: Wenn ihr Lookalike Audiences nutzt, kann das im Vergleich zum einzelnen Interessen-Targeting die Genauigkeit verbessern, da mehr Faktoren in das Targeting einbezogen werden. Dennoch ist und bleibt das Targeting bei Facebook eine Black Box, auf die man sich unweigerlich verlassen muss. Ein tröstlicher Gedanke ist, dass der Meta-Konzern ständig daran arbeitet, das Targeting zu verbessern. Dadurch können solche Fehler mit der Zeit hoffentlich ausgeräumt werden.

Targeting #2: Das Ende des Connection Targetings

Zum 15. Juni wird bei Facebook das Targeting nach Verbindungen abgeschafft. Geplant ist, die Zielgruppenoptionen zu vereinfachen und deren Bearbeitung und Verwaltung gesammelt an einem Ort im Business Manager zu ermöglichen. Schon seit dem 28. April können keine neuen Kampagnen mit dem Targeting nach Verbindungen mehr erstellt werden.

Ersetzt wird das Connection Targeting durch neue Optionen bei der Erstellung von Custom und Lookalike Audiences. So hat jede bisher wählbare Option im Connection Targeting eine vergleichbare oder identische Alternative in der Erstellung von Engagement Custom Audiences bekommen.

Neue Targeting-Optionen (Quelle: Facebook Business Manager)

Wichtig für euch ist, dass alle Kampagnen und Zielgruppen, die diese Targeting-Optionen noch nutzen, Mitte Juni deaktiviert oder gelöscht werden. Daher solltet ihr die Umstellung auf Engagement Custom Audiences oder Lookalike Audiences rechtzeitig vornehmen.

Instagram

Posts als Pins

Instagram hat einen Live-Test gestartet, der ausgewählten NutzerInnen die Möglichkeit bietet, drei Posts in ihrem Profil an oberster Stelle anzuheften. Auf diese Weise können Beiträge und somit auch Kooperationen oder Produkte noch deutlicher platziert werden. Instagram plant außerdem, dass NutzerInnen zukünftig nicht nur Posts anpinnen, sondern diese auch unabhängig vom Veröffentlichungszeitpunkt neu sortieren können. Damit soll ein kreativeres Handling und somit ein größerer Einfluss auf die eigene Reichweite ermöglicht werden.

Quelle: Twitter

Video-Content ganz vorne

Das Motto des Monats: Videos, Videos, Videos! TikTok gibt dabei nämlich den Ton an und Instagram will nun unbedingt mithalten. Nicht umsonst sind Reels das aktuell am schnellsten wachsende Content-Format im Metaverse. Die Challenge besteht darin, die Monetarisierung der Kurzvideos unkompliziert und fair zu gestalten. Die In-Stream-Video-Platzierungen wurden bereits aus den Werbeoptionen entfernt. Dafür arbeitet Instagram aktuell an einer neuen Möglichkeit für Creators, nach vorheriger Registrierung Overlay-Anzeigen in ihren Reels auszuspielen.

Ziel ist es, die besten Content-Creator und ihre Fans auf Instagram zu halten und den Content-Fokus deutlich rund um die Reels auszubauen. Ob dieser Plan wirklich aufgeht, wird sich nach dem offiziellen Roll-out zeigen. Einen festen Termin dafür gibt es derzeit allerdings noch nicht.

Zusätzlich soll den Videoinhalten auf Instagram eine noch größere Bühne geboten werden. Dafür testet die Plattform aktuell ein neues Feed-Format, um statische Posts, Videos, Stories und Reels in einem gemeinsamen, immersiven Content-Fluss zu vereinen. Alle diese Maßnahmen deuten auf eine größere Umstellung bei Instagram hin, über die wir euch auch in den kommenden Monaten auf dem Laufenden halten.

TikTok

Sticker, Votings, Countdowns: TikTok Ads werden interaktiv

Video-Werbung bei TikTok kann schnell viral gehen und dafür sorgen, dass ein regelrechter Run auf die beworbenen Produkte startet, natürlich zur Freude der Werbetreibenden. Damit das in Zukunft noch öfter passiert, führt TikTok interaktive Add-Ons für Videowerbung ein.

Für In-Feed Ads können in Zukunft Add-Ons aus dem Bereich Standard oder Premium gewählt werden. Die Unterscheidung macht sich dabei nicht am Werbebudget, sondern an den jeweiligen Zielen der Anzeige fest. Standard Add-Ons wie Gutschein-Code- oder Countdown-Sticker sollen dabei helfen, Marketingziele im Lower Funnel zu erreichen. Sie sollen folglich ein Treiber für Klicks und Conversions sein. Premium-Add-Ons sollen dagegen eher für Aufmerksamkeit und Markenbildung im Upper Funnel sorgen.

TikTok selbst spricht von einer um 150 Prozent erhöhten Kaufwahrscheinlichkeit bei NutzerInnen, die mit den Werbeanzeigen interagieren. Fakt ist: Die interaktiven Elemente erregen Aufmerksamkeit. Tests zum passenden Einsatz und Erfolg der neuen Add-Ons lohnen sich daher mit Sicherheit.

CAP, die TikTok-Universität

Keine Angst, hier müssen keine Rechenaufgaben gelöst werden. TikTok will mit seinem neuen Programm CAP (Creative Agency Partnership)-University vorrangig Agenturen sowie Freelancern dabei helfen, mit System kreativ zu sein und das Beste für das eigene Business aus der Plattform TikTok herauszuholen. Das Lernprogramm kann dabei individuell zusammengestellt werden. Neben Basiswissen werden z. B. auch Kurse zum Thema Konzeption und Musiklizensierung angeboten. Die Lerninhalte kommen direkt aus TikToks eigenem Kreativteam und bieten damit eine ideale Möglichkeit, das eigene Wissen aufzupolieren.

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Twitter

Die Twitter Business Suite – besser und schneller

Fast schon nebenbei hat Twitter in diesem Monat den Rollout von neuen Business Suite-Features für seinen Ads Manager begonnen. Die neuen Möglichkeiten erinnern an die Einstellungsmöglichkeiten im Facebook Ads Manager. Werbetreibende sollen in Zukunft sicherer und schneller im Twitter Ads Manager arbeiten können – und ein ähnlicher Aufbau wie bei Facebook kann dabei sicherlich nur von Vorteil sein.

Für Advertiser sind die Neuerungen ohne Frage ein wichtiger Schritt, um Werbung bei Twitter effizienter zu gestalten. Nun warten wir „nur noch“ gespannt die Zukunft der Plattform unter der neuen Inhaberschaft von Elon Musk ab.

YouTube

Ein monetäres Dankeschön

YouTube Creators dürfen sich freuen, denn von nun an ist das Feature Super Thanks für alle Kreativschaffenden auf YouTube zugänglich. NutzerInnen können damit ihre Wertschätzung über eine direkte monetäre Spende im Wert von zwei bis 50 Euro auszudrücken. Die einzige Voraussetzung, welche die Creators mitbringen müssen, um das neue Feature nutzen zu können: eine Teilnahme am YouTube-Partnerprogramm. Hierfür muss der Kanal mindestens 1000 AbonnentInnen und eine gültige Wiedergabezeit von mindestens 4000 Stunden in den letzten zwölf Monaten vorweisen können.

Quelle: YouTube

LinkedIn

Mehr Traffic durch ein neues Profil-Feature

LinkedIn hält in den USA eine Reihe neuer Funktionen bereit: Die dabei wichtigste ist, dass NutzerInnen von nun an die Möglichkeit haben, einen Link in ihrer Profilvorschau zu platzieren, der für mehr Traffic auf der verlinkten Website sorgen kann. Der angezeigte Link-Text kann dabei nach Belieben gestaltet werden. Ab wann dieses Feature in Deutschland verfügbar sein wird, ist jedoch noch unklar.

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