Johannes Rauner

Affiliate Auslese März 2020

Wer hätte gedacht, dass wir im März nicht über den Frühlingsanfang, die Leipziger Buchmesse oder die Umstellung auf die Sommerzeit sprechen, sondern die komplette Welt mehr oder weniger still steht? Kaum einer. Blicken wir also auf die aktuelle Situation, die etwaigen Auswirkungen und wagen einen Blick in die Kristallkugel.

Neuigkeiten aus der Branche

Corona und die Auswirkung auf die Affiliate Marketing Branche

Kein Thema beschäftigt die Welt gerade mehr als das Coronavirus und die Auswirkungen auf die Wirtschaft. Trifft es vor allem Einzelhändler mit Filialen in Innenstädten hart, so sieht es in der Online-Welt doch vereinzelt anders aus. Der Großteil der Mitarbeiter verweilt im Home Office und arbeitet von zu Hause aus.

Screen eines Meetings bei Zoom
Auch das Projecter Affiliate Marketing und SEO Team hält die Stellung im Home Office

Laut einer Studie des Händlerbunds herrscht zwar Unsicherheit, jedoch blickt der Großteil der Händler noch eher gelassen in die Zukunft. Bedingt durch eine zeitweise sehr hohe Nachfrage käme es zu geringen Beständen sowie Lieferverzögerungen. Doch komplette Euphorie lässt sich nicht erkennen: Mehr als die Hälfte der 412 befragten Händler verzeichnen aktuell Einbußen und mehr als 80% gehen sogar noch von einer Verschlimmerung der Lage aus. Ein ähnliches Bild lässt auch die Umfrage des Bundesverband E-Commerce und Versandhandel e.V. (bevh) erkennen. Fast 90% der 135 befragten Unternehmen sind direkt von den Auswirkungen des Coronavirus betroffen und 41% verzeichnen schon jetzt eine rückläufige Nachfrage.

Im Affiliate Marketing sieht die Lage ähnlich auch. Zu erwähnen ist, dass neben dem klassischen eCommerce auch die Reisebranche als nicht zu vernachlässigender Part vertreten ist. Gemäß einer Umfrage der KollegInnen von affiliateblog.de, an welcher 70 Personen teilgenommen haben, geht fast die Hälfte der Advertiser von negativen Auswirkungen aus, jedoch sehen mehr 43% eine positive Umsatzentwicklung. Dementsprechend halten sich die Maßnahmen in den Partnerprogrammen grob die Waage:

Ähnliches lässt sich auch bei den Affiliates erkennen:

Am härtesten hat es aktuell die Reise-Branche getroffen. So ist es nicht verwunderlich, dass diese zu den größten Verlierern gehört. Der Fashion-Bereich muss auch mit Verlusten kämpfen, wobei wir hier im Hinblick auf Sport-Bekleidung eine große Ausnahme sehen. Absoluter Gewinner sind Lieferdienste, Online-Apotheken sowie Streaming-Dienste:

GewinnerVerlierer
Lieferdienste (79%)Reisen (88%)
Online-Apotheken (71%)Fashion (42%)
Lebensmittel/Food (71%)Möbel (40%)
Streaming-Dienste (70%)Sport/Fitness (33%)
Bildung/E-Learning (49%)Partnervermittlung/Dating (27%)

Vereinzelt gibt es bereits auch Reaktionen von Publishern und Advertisern, die wir nur kurz zusammenfassen möchten:

Da uns die Kommunikation für die letzten beiden Punkten zwischen Advertiser und Publisher nicht vorliegt, sehen wir von einer Nennung der Advertiser ab. Jedoch sind wir von obigen Maßnahmen durchaus überrascht. Dass Autofreigaben bedingt durch lange Lieferzeiten (v.a. Möbel) angepasst werden, erscheint logisch. Dass jedoch durch die Corona-Pandemie Rechnungen erst verspätet beglichen werden, obwohl der Affiliate seine Werbeleistung erbracht hat, finden wir schade. Gleiches gilt für die Senkung von Provisionen. Der entstandene Umsatz wird sicherlich gerne mitgenommen, jedoch erscheint die Leistung nun weniger wert? Fraglich! Zumal im Affiliate Marketing größtenteils auf Performance-Basis vergütet wird, d.h. erst bei einem generierten Umsatz erhält der Partner auch eine Provision.

Goodbye Cookies aus der dritten Reihe

Ende März hat Apple Safari sowie iOS mit einem Update versehen, die den 3rd Party Cookies (Cookies, die über fremde Domain gesetzt werden) nun wohl endgültig den Garaus machen. Gab es vor dem Update noch kleine Lücken, so werden nun alle Cookies mit dem Cross-Site-Verweis vollständig blockiert. Eine Umstellung auf 1st Party Tracking (Cookies, die von der eigentlichen Domain gesetzt werden) sollte spätestens jetzt – falls noch nicht geschehen – vollzogen oder direkt auf Server to Server Tracking umgestellt werden. Bei letztgenanntem wird die Tracking-Information direkt vom Server des Advertisers zum Server des Netzwerks übermittelt. Bei Awin erfolgt dies z.B. mit Hilfe des awc-Parameters, der automatisiert an alle Tracking-Links angehängt wird. Dieser muss vom Advertiser gespeichert und im Falle einer Conversion beim Trackingaufruf übermittelt werden.

Diskussion um die Zukunft des Affiliate Marketing

Bleiben wir beim Thema „Goodbye“ – bei den KollegInnen von internetworld.de findet sich ein Artikel zum Thema „Kommt das Affiliate Marketing 2.0?“. Und dieser ist – leider – ein Paradebeispiel für die Situation, in welcher wir uns befinden. Warum? Nunja, das liegt u.a. an Aussagen wie „das klassische Affiliate Marketing ist kein zukunftsfähiges Geschäftsmodell – weil es technisch nicht mehr gehen wird und weil in der Affiliate-Industrie zu viele nur Provisionen ergaunern wollten und die Neukundengenerierung längst aus den Augen verloren haben.“ Klar, der Artikel stellt nur Meinungen dar. Doch es sind genau diese, die manchmal stören. Es sollte allen klar sein, dass das Cookie nicht mehr lange leben wird und Alternativen nötig sind. Doch das trifft nicht nur für unsere Branche, sondern auch für alle anderen zu. Worte wie „ergaunern“ rücken die Aktivitäten auch schon wieder in ein schlechtes Licht. Wir sind der Meinung, dass Affiliate Marketing auch in Zukunft seine Rolle im Online Marketing behalten und sogar ausbauen wird.

Kroatien: Neuer Entwurf für die ePrivacy-Verordnung

In den aktuellen Zeiten rücken vermeintlich wichtige Themen schnell in den Hintergrund, so auch die Diskussion rund um die anstehende ePrivacy-Verordnung. Nachdem der Entwurf unter finnischer Ratspräsidentschaft keine Einigung erzielen konnte, ist nun Kroatien an der Reihe. Der neue Entwurf erkennt u.a. ein berechtigtes Interesse am Speichern von Cookies ohne den „Cookie Consent“ an, da, wie im Affiliate Marketing ja üblich, ein Finanzierungsinteresse besteht. Bleibt abzuwarten, wie es nun weitergeht.

Global Saving Group übernimmt iGraal

Nachdem schon vor Monaten die Gerüchteküche brodelte (siehe Affiliate Auslese im Dezember), ist es nun offiziell – die Global Savings Group (GSG, u.a. cuponation) hat sich den Cashback-Anbieter iGraal gesichert, welcher vor allem in Frankreich zu den größten Playern gehört. Über den Tisch sollen dabei 35 Mio. € sowie Aktienanteile gewandert sein. Doch das ist nicht der erste Einkauf im „Cashback-Supermarkt“. Denn im Jahr 2018 hat sich GSG bereits Pouch aus England einverleibt. Was die Mission hinter den Käufen ist? GSG breiter aufzustellen und neben dem Gutschein-Markt nun auch die Cashback-Welt zu erobern. Wir sind gespannt, in welche Richtung sich das bewegt und ob der Content Commerce Gedanke rund um Kooperationen mit großen Verlagen wie z.B. Focus (endlich?) richtig zum Tragen kommen kann.

Awin: Geschäftsbericht 2019

Mit etwas Neugier wurde der Geschäftsbericht von Awin für 2019 erwartet. Nachdem affilinet nun Geschichte ist und – bis auf Ausnahmen – alle Programme zu Awin migriert sind, konnte 2019 ein Umsatzwachstum von knapp 6% und ein Gewinnwachstum von fast 40% erzielt werden. Letztgenanntes Wachstum ist auf die Integrationskosten für die Zusammenführung von affilinet und Awin zurückzuführen, die 2019 im Vergleich zu 2018 weggefallen sind. Auf affiliateblog.de gibt es noch weitere Infos zum Geschäftsbericht.

retailAds wird BVDW-Mitglied

Anfang März ist retailAds dem Bundesverband Digitale Wirtschaft e.V. (BVDW) als ordentliches Mitglied beigetreten. Damit einhergehend wurde der Code of Coduct Affiliate Marketing sowie Content Marketing unterzeichnet. Somit werden nun auch ganz offiziell Qualitätskriterien, z.B. beim Einsatz von Cookies, Kooperationen mit Subnetzwerken oder Postview-Kampagnen, berücksichtigt.

Publisher

Affiliate Marketing für jedermann oder jederfrau

Eine Frage, die sich vielen angehenden Publishern zum Start ihrer Karriere im Affiliate Marketing stellt – welche Affiliate Marketing Variante ist für meine Website die richtige? Peer hat sich im Beitrag unter affiliate-marketing-tipps.de dazu Gedanken gemacht:

Das heißt natürlich nicht, dass die Punkte nicht kombiniert werden können. So können bei hochwertigen Artikeln natürlich auch vereinzelt Affiliate Links platziert werden.

Merchants

Berechnung der Provisionsraten

Steht der Start eines Partnerprogramms im Raum, so ist die Kalkulation der Provisionsraten eine nicht zu vernachlässigende Aufgabe. Ist die Provision zu niedrig, kann das Programm auf geringes Interesse stoßen. Ist sie wiederum zu hoch, kann der Advertiser wiederum im wahrsten Sinne des Wortes „Geld verbrennen“. Gerade zum Start lohnt es sich jedoch, etwas tiefer in die Tasche zu greifen, um wichtige Publisher mit ins Boot zu holen. Dies können z.B. erhöhte Provisionen im Vergleich zur eigentlichen Standardrate, Prämien für den ersten Sale oder ein Bonus für die erfolgreiche Vermittlung eines neuen Partners sein.

Um jedoch auch diese Höhen zu bestimmen, haben die KollegInnen von AM Navigator folgenden 5-Punkte-Plan erstellt:

  1. Berücksichtige alle relevanten Kosten (Produktionskosten, Lieferkosten, Lagerkosten, Netzwerkkosten, …)
  2. Analysiere die Provisionsraten der direkten Wettbewerber
  3. Falls die eigenen Produkte bei Marktplätzen wie Amazon oder OTTO verkauft werden, stelle sicher, dass deine Provisionen höher sind
  4. Berücksichtige den Customer Lifetime Value, sodass ggf. der Bonus oder die Rate für einen Neukunden durchaus höher ausfallen kann
  5. Ehrlich währt am längsten – kann die eigene Provision aus wirtschaftlichen Gründen nicht an den Wettbewerber angeglichen werden, versuche durch andere Leistungen zu punkten. Sehe davon ab, die Raten nach kurzer Zeit zu senken, da sonst Publisher vergrault werden könnten.

Zusätzlich zu diesen Punkten gilt es stets auch, die Wirkung der Partner zu berücksichtigen, um eine adäquate Vergütung der Werbeleistung zu ermöglichen. Oft vernachlässigt wird übrigens folgender Punkt: Das People’s Business! Denn durch exklusive Werbemittel, Angebote oder Landing Pages, die z.B. das Logo des Partners enthalten, kann viel ermöglicht werden.

Thementipps für April

In Zeiten von Corona ist es natürlich schwierig von Normalität zu sprechen, nichtsdestotrotz wagen wir einen Blick auf unseren Online Marketing Planer  und schauen, was im April für Thementipps anstehen.

Visualisierung der wichtigsten Termine für das Online Marketing im April 2020

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