SEA News 07/2026: Was Googles Änderungen bei Ziel-Gebotsstrategien für eure Kampagnen bedeuten
Der letzte Monat brachte einige wichtige Neuerungen bei Google Ads: von grundlegenden Änderungen bei Gebotsstrategien über neue KI-Kennzeichnungen für Anzeigen bis hin zur Ausweitung von AI Max auf Standard Shopping-Kampagnen. Bei ChatGPT Ads können Anzeigen erstmals mit Kundenlisten als Targeting-Option genutzt werden. Wir haben die wichtigsten Updates aus dem Juli wieder für euch zusammengefasst.
Google Ads
Änderungen bei Ziel-Gebotsstrategien
Ab dem 17. August 2026 ändert Google die Funktionsweise zielbasierter Gebotsstrategien. Konkret betroffen sind Kampagnen mit einem hinterlegten Ziel-CPA oder Ziel-ROAS, die bisher häufig bessere Ergebnisse als den eingestellten Zielwert erzielen konnten. Diese „Überperformance“ wurde bislang von Google toleriert, mit dem Update werden wir den Effekt weniger oder gar nicht mehr sehen. Die Änderung soll insbesondere budgetlimitierte Kampagnen betreffen, wir vermuten jedoch, dass das Update zu Performance-Änderungen in allen Kampagnen führen kann.
Zukünftig werden Kampagnen enger an den tatsächlich eingestellten Ziel-CPA oder Ziel-ROAS ausgesteuert. Das bedeutet konkret: Wer einen Ziel-CPA von 20 € eingestellt hat, die Kampagne aber bislang einen CPA von 15 € erreicht hat, könnte nach dem Update bei einem CPA von 20 € landen. Eine Konsequenz kann sein, dass die Kosten pro Conversion in dieser Kampagne steigen, dafür aber möglicherweise mehr Conversions generiert werden, weil Google die Lücke zwischen Ziel-CPA und tatsächlichem CPA nutzt, um weitere Zielgruppen zu erschließen.
Bei Kampagnen mit Ziel-CPA oder Ziel-ROAS sollte vor der Deadline die Abweichung zwischen Ziel-Wert und tatsächlichem Wert geprüft und die Zielwerte gegebenenfalls angepasst werden. Google selbst nimmt keine automatischen Änderungen an den Zielwerten vor.
KI-Kennzeichnung für Anzeigen
Google führt neue Transparenz-Hinweise für Anzeigen ein, die mithilfe von generativer KI erstellt oder bearbeitet wurden. Damit reagiert Google auf die zunehmende Nutzung KI-generierter Inhalte in der Werbung und die Anforderungen in der Europäischen Union.
Die Kennzeichnung wird auf mehreren Wegen umgesetzt:
Sichtbarkeit direkt auf dem Asset
In Regionen mit strengeren gesetzlichen Vorgaben wie der EU spielt Google den Hinweis direkt am Werbemittel aus. Auf Bildern oder Videos wird automatisch ein kleines Icon oder eine Textfahne eingeblendet. Bei YouTube-Videos erscheint dann ein anklickbarer Textbanner (z. B. „Als verändert oder synthetisch offengelegt“).
Transparenz über „Mein Anzeigen-Center“
Weltweit wird der KI-Hinweis im Drei-Punkte-Menü (Mein Anzeigen-Center) abrufbar sein. Nutzer*innen können den Hinweis zur KI-Nutzung bei Anzeigen in der Google Suche, auf YouTube oder Discover im Drei-Punkte-Menü unter „Wie diese Anzeige erstellt wurde“ finden. Das erfordert zwei Klicks und ist vermutlich einer der Gründe, warum für die EU eine andere Darstellungsweise gewählt wurde.

Eigene Kennzeichnung direkt im Anzeigendesign
Werbetreibende können auch selbst ein Wasserzeichen oder einen Text-Hinweis im eigenen Bild- oder Videomaterial einbauen. Google lockert für die KI-Kennzeichnungen eine Richtlinie, die graphische Text-Overlays auf Bildern verboten hat. Wichtig dabei zu beachten ist: Eigene Hinweise sollten nicht ganz am Rand oder in den Ecken platziert werden, da sie bei automatischen Format-Zuschnitten abgeschnitten werden könnten.
Migration von dynamischen Suchanzeigen zu AI Max
Das Ende der dynamischen Suchanzeigen (DSA) rückt näher. Google hat den Zeitplan etwas entschärft und die automatische Migration zu AI Max für Suchkampagnen auf Februar 2027 verschoben. Wir erhalten damit mehr Zeit, uns auf die Umstellung vorzubereiten und noch existierende DSAs bereits vor der Deadline selbst umzustellen.
AI Max ersetzt die bisherige DSA-Technologie durch eine KI-gestützte Lösung, die Keywords, keywordlose Suchtechnologie, dynamische Anzeigenerstellung und automatische Landingpage-Auswahl miteinander kombiniert. Anders als bei DSA, wo primär die Website als Targeting-Grundlage diente, nutzt AI Max zusätzlich die bestehenden Keywords und Anzeigengruppen-Strukturen.
AI Max in Standard Shopping-Kampagnen
Nach der Einführung von AI Max für Suchkampagnen weitet Google die KI-gestützte Optimierung nun auch auf Standard Shopping-Kampagnen aus. In ersten Tests wurde AI Max in Shopping-Kampagnen gesichtet, was uns einen ersten Eindruck von den Funktionen gibt. Aktuell ausgerollt wird das Tool mit Suchbegriff-Matching, automatischer Anzeigentexterstellung, URL-Erweiterung und Markenlistenausschluss. Alles das sind Funktionen, die uns bereits aus Suchkampagnen bekannt sind.

Videokampagnen-Gruppen weltweit verfügbar
Google hat eine neue Funktion zur Optimierung von Reichweite und Frequenz für Videokampagnen-Gruppen ausgerollt. Mit der Funktion können mehrere Videokampagnen zu einer Gruppe zusammengefasst werden, um ein einheitliches Reichweiten- oder Frequenzziel über alle Kampagnen hinweg zu steuern.

Der Vorteil für uns: Google dedupliziert die Reichweite über die verschiedenen Kampagnen hinweg, sodass Nutzer*innen nicht unnötig oft mit derselben Botschaft konfrontiert werden. Gleichzeitig können unterschiedliche Formate (In-Stream, Shorts, Bumper Ads etc.) innerhalb einer Gruppe kombiniert werden, um den optimalen Mediamix zu erzielen.
Verpasste Wachstumschancen im Empfehlungstab
Google integriert den bisher unter Labs laufenden Bericht „Verpasste Wachstumschancen“ im regulären Empfehlungs-Tab. Dabei schätzt Google, wie viele zusätzliche Conversions, Klicks oder Impressionen eine Kampagne bei höherem Budget oder angepassten Geboten hätte erzielen können. Damit können datenbasierte Entscheidungen zum Budget oder Gebotsstrategien gemacht werden. Die Schätzungen sind jedoch als Richtwerte zu verstehen und sollten immer kritisch hinterfragt werden.
Unternehmensdatenfeeds in Demand Gen-Kampagnen
Demand Gen-Kampagnen können ab sofort Unternehmensdatenfeeds nutzen. Das ist besonders für Werbetreibende interessant, die kein Google Merchant Center haben, z. B. Werbetreibende aus den Bereichen Reise, Immobilien, Automotive oder Dienstleistungen.
Mit Business Data Feeds können dynamische Anzeigen erstellt werden, die sich aus einem einfachen Datenfeed speisen. Der Feed enthält Informationen wie Titel, Beschreibung, Bild-URL und Landingpage und wird direkt in der Kampagneneinrichtung hochgeladen.
Lokale Dienstleistungen werden in Performance Max integriert
Google hat angekündigt, dass der Anzeigentyp „Lokale Dienstleistungen“ in Performance Max-Kampagnen integriert wird. Bisher liefen Lokale Dienstleistungen als eigenständiges Format mit separater Verwaltung. Mit der Umstellung werden sie zum Kampagnentyp „Performance Max-Kampagnen mit Zielvorhaben vom Typ Abrechnung pro Anfrage“.
Die Umstellung erfolgt schrittweise ab August 2026 in den USA und soll bis 2027 global abgeschlossen sein. Für lokale Dienstleister bedeutet das, dass sie ihre Kampagnen zukünftig über das reguläre Google Ads-Interface verwalten können – inklusive aller bekannten Reporting- und Optimierungsfunktionen.
Brand Lift Studien: Neues Enhanced-Format
Google erweitert die Brand Lift Studies um eine neue „Enhanced“-Variante. Laut Google kann die Enhanced-Variante bereits Anstiege ab 1,2 % erkennen – im Vergleich zu 2 % bei der Standardversion. Die Enhanced Brand Lift Study erfordert ein deutlich höheres Budget (etwa das Dreifache der Standard-Variante), um statistisch valide Ergebnisse zu liefern. Für Werbetreibende mit entsprechendem Mediabudget ist das eine neue Option, um ihre Markenwirkung präziser zu messen.
Leadformular-Assets: Mindestausgabe von 50.000 US-Dollar entfällt
Google hat die Mindestausgabe von 50.000 US-Dollar für die Nutzung von Leadformular-Assets aus der Dokumentation entfernt. Bisher war diese Kostengrenze für viele kleinere Werbetreibende ein Ausschlusskriterium, da der Assettyp innerhalb von Google Ads nur Konten mit entsprechend hohem Lifetime-Spend zur Verfügung stand.
Zusätzlich ist Zapier als offizieller Webhook-Integrationspartner für den Lead-Versand hinzugekommen. Damit können Leads aus Google Ads direkt und ohne eigene Entwicklung an CRM-Systeme, E-Mail-Tools oder andere Anwendungen weitergeleitet werden.
Weitere Netzwerke
Microsoft Ads: Disclaimer in Anzeigen
Microsoft Advertising hat eine neue Option für Disclaimer in Anzeigen eingeführt. Werbetreibende können nun rechtliche Hinweise, Angebotsbedingungen oder Produktdisclaimer direkt in den Kampagneneinstellungen hinterlegen.
Die Disclaimer-Option ist für Responsive Suchanzeigen, Performance Max- und Zielgruppen-Anzeigen verfügbar. Besonders relevant ist sie für Branchen mit besonderen Kennzeichnungspflichten wie Finanzdienstleistungen, Gesundheit oder Lebensmittel. Aber auch für zeitlich begrenzte Angebote können die Disclaimer genutzt werden, um Bedingungen wie „Gültig bis …“ oder „Solange der Vorrat reicht“ direkt an die Anzeige zu koppeln.
ChatGPT Ads: Kundenlisten als Targeting-Option
OpenAI erweitert die Targeting-Möglichkeiten für ChatGPT Ads um Kundenlisten. Werbetreibende im ChatGPT Ads Beta-Programm können nun eigene Kundenlisten (z. B. E-Mail-Adressen und Telefonnummern) hochladen, um gezielt bestehende Kund*innen oder ähnliche Zielgruppen innerhalb von ChatGPT anzusprechen. Die Funktion befindet sich noch im Rollout und ist bislang nur für ausgewählte Beta-Teilnehmer verfügbar. Zusätzlich ist das ChatGPT Ads Beta-Programm weiterhin noch nicht für die EU geöffnet worden.

Kundenlisten sind ein wichtiger Schritt für ChatGPT Ads, denn das Targeting war bisher rein kontextuell und basierte auf den Gesprächsinhalten der Nutzer*innen. Mit der Möglichkeit, eigene Kundenlisten einzusetzen, rückt die Plattform näher an die Targeting-Funktionalität etablierter Werbenetzwerke wie Google und Meta heran.



