SEO News 01/2026: KI als Traffic-Killer? Fakten-Check und neue ChatGPT-Features
Während ChatGPT mit Knowledge Panels und Top Stories neue Features ausrollt, zeigt eine aktuelle Analyse, dass der KI-bedingte Traffic-Rückgang weniger dramatisch ausfällt als befürchtet. Wir beleuchten in diesen SEO News außerdem, warum klassische KI-Rankings oft reiner Zufall sind und auf welche KPI es wirklich ankommt.
KI und die Suche: zwischen Traffic-Veränderungen und neuen Potenzialen
Dramatischer Traffic-Rückgang durch KI bislang ausgefallen?
Eine umfassende Analyse von Graphite und Similarweb von über 40.000 Webseiten in den USA zeigt, dass der organische Google-Traffic im Jahresvergleich durchschnittlich nur um 2,5 % gesunken ist – was weit unter den oft spekulierten Einbrüchen von 25 % oder mehr liegt. Die Analyse belegt auch, dass die Traffic-Veränderungen nicht alle Webseiten gleichermaßen betreffen:
- Verlierer: Informationslastige Webseiten aus den Bereichen News, Health, Cooking und Entertainment verzeichnen teils Trafficrückgänge von bis zu 10 %.
- Gewinner: Große Webseiten, kleinere Nischenseiten und Webseiten aus Branchen wie Shopping, Bekleidung und Marktplätze konnten ihren Traffic hingegen leicht steigern.
Das Fazit: Während sich die informative Suche wandelt, bleibt die organische Suche für viele große Marken und kommerzielle Anbieter ein wichtiger Kanal.

Das Zufalls-Prinzip: Warum „Platz 1“ in der KI kaum existiert
Eine Untersuchung von Rand Fishkin (SparkToro) und Gumshoe.ai zeigt, dass Marken- und Produktempfehlungen in KI-Tools wie ChatGPT, Claude oder Google AI stark variieren und fast zufällig wirken. Klassische „KI-Rankings“ sind deshalb kaum belastbar, da Listen bei wiederholten Abfragen selten identisch sind und sich Reihenfolgen ständig ändern.
Für euch heißt das: Versteift euch nicht auf Momentaufnahmen oder einzelne Positionen. Stattdessen solltet ihr mit aggregierten Daten aus vielen verschiedenen Abfragen arbeiten, um ein realistisches Bild zu erhalten. Die relevante Kennzahl ist daher die Sichtbarkeitsrate. Es geht mehr darum, wie oft eure Marke über viele Durchläufe hinweg überhaupt in den Antworten auftaucht. Nur diese beständige Präsenz sichert euch langfristig den Erfolg in der KI-gestützten Suche.
ChatGPT-Update: News-Karussell & Knowledge Panels
OpenAI baut den Funktionsumfang von ChatGPT aus und integriert Elemente, die Nutzer*innen bereits aus der klassischen Websuche kennen:
- Top-Stories-Karussell: Bei Anfragen zu aktuellen News liefert ChatGPT nun Schlagzeilen inklusive Bild, Quelle und Datum. Die Darstellung ähnelt stark der Google-News-Integration.
- Knowledge Panels: Mithilfe eines eigenen Knowledge-Graphs zeigt ChatGPT jetzt kompakte Fakten zu Personen, Orten oder Produkten in einer Seitenleiste an. Diese „At-a-glance“-Visualisierungen bieten Nutzer*innen schnelle Informationen und weiterführende Quellen auf einen Blick.
Für Publisher und News-Seiten eröffnen diese neuen Features Potenziale für mehr Sichtbarkeit und zusätzliche Klicks direkt aus ChatGPT. Durch die prominenten Platzierungen innerhalb der KI-Antworten steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Nutzer*innen über direkte Verlinkungen (Referral-Traffic) auf die Originalquellen zugreifen.

Kurz & knapp: Der Google-Ticker im Januar
- Abstrafung eigennütziger Listicles: Es gibt Hinweise dafür, dass Google gegen „Top-10“-Listen vorgeht, bei denen Unternehmen sich selbst ohne Mehrwert auf Platz 1 setzen – eine Taktik, die häufig im Rahmen der Generative Engine Optimization (GEO) genutzt wird, um KI-Antworten zu beeinflussen. Da Google Qualität und Vertrauen priorisiert, können solche KI-Hacks zu Sichtbarkeitsverlusten in der organischen Suche und den AI-Overviews führen. Ein echter Mehrwert für Nutzer*innen bleibt somit weiterhin ein wichtiger Rankingfaktor.
- KI-Opt-out geplant: Webseiten-Betreiber*innen sollen künftig die Möglichkeit erhalten, Inhalte gezielt aus AI Overviews und dem AI Mode auszuschließen, ohne die Indexierung für die klassische Suche zu verlieren. Expert*innen warnen jedoch vor einem Dilemma: Wer aussteigt, kann in der neuen KI-gesteuerten Suchwelt an Sichtbarkeit und Traffic verlieren; wer bleibt, liefert wertvollen Content ohne angemessene Kompensation.
- Traffic-Leak im AI Mode: Folgefragen aus AI Overviews leiten in der mobilen Suche nun direkt in den AI-Mode weiter. Dies hält Nutzer*innen länger im Google-Ökosystem und kann voraussichtlich zu weniger Klicks und Traffic für Webseiten führen.
Strategie-Check: Lohnen sich Corporate Blogs noch?
Aktuell lassen sich Sichtbarkeitsrückgänge bei Unternehmensblogs beobachten, die stark auf informative Suchanfragen wie „Was ist … ?“ oder „Wie verwendet man … ?“ optimiert sind. Laut eines Posts von SEO-Expertin Lily Ray auf X sind vor allem Beiträge betroffen, die austauschbar wirken und keinen echten, einzigartigen Mehrwert bieten. Um weiterhin stabile oder sogar positive Entwicklungen zu erzielen, solltet Ihr folgende Punkte beachten:
- Relevanz statt Masse: Beantwortet gezielt Fragen, die für eure spezifische Zielgruppe wirklich relevant sind.
- Informationslücken schließen: Konzentriert euch auf Themen, zu denen es noch keine unzähligen Standard-Antworten im Netz gibt.
- Qualität vor SEO-Selbstzweck: Erstellt Inhalte für eure Nutzer*innen, nicht nur für den Algorithmus.
- Inhaltliche Tiefe: Setzt auf fachliche Expertise und Tiefgang statt auf eine hohe Frequenz oberflächlicher Artikel.
Wer diese Prinzipien beherzigt, kann seinen Unternehmensblog auch künftig als wertvollen Kanal für die organische Reichweite nutzen.

Branchen News kurz & knapp
- OpenAI plant erste Werbetests in ChatGPT: Das Modell sieht eine Abrechnung auf Impressionsbasis (ca. 60 USD TKP) vor – das ist deutlich mehr als z. B. bei Meta mit etwa 20 US‑Dollar. Für Advertiser ist die Messbarkeit jedoch schwierig, da bislang kaum Kontextdaten zur Ausspielung oder zum Erfolg von Käufen geliefert werden; einsehbar bleiben lediglich KPIs wie Impressionen, Views und Klickzahlen.
- Suchergebnisse sind Datenquelle für KI: Ein aktueller Cloaking-Fall rund um die Domain pnewind.com deutet darauf hin, dass ChatGPT und Grok für ihre Antworten direkt oder indirekt auf Google-Suchergebnisse zugreifen, während Claude und Perplexity offenbar Brave Search nutzen. Für SEOs bedeutet das: KI-Anbieter sind auf externe Suchmaschinen angewiesen – ein klares Signal, dass klassisches Google-SEO für Sichtbarkeit und als Datenquelle für KI-Antworten nach wie vor zentral bleibt.




