
© 2008 Bernd Boscolo / pixelio.de
Wer oder was ist “Web Accessibility” und was hat das denn mit
SEO zu tun? Genau das ist die Frage, die dieser Beitrag zu klären versucht. Die Idee kam mir in einem SEO-Workshop, den Patrick für unser Team vorbereitet hatte.
Das Thema wurde bereits
von Joseph Dolson aufgegriffen, wer des Englischen mächtig ist, findet den Artikel sicher spannend.
Grundlegend geht es bei “Web Accessibility” um die virtuelle Barrierefreiheit. Mein Professor für Wirtschaftsinformatik war stets sehr begeistert von dem Thema und stellte immer wieder in ausufernden und einschläfernden Monologen dar, dass es nicht nur im täglichen (realen) Leben Behinderten der Zugang zu Gebäuden, Veranstaltungen und Dienstleistungen ermöglicht werden müsse. In gleichem Maße bestehe der Anspruch auch für sämtliche Websites.
Um nur ein paar Ideen der Barrierefreiheit aufzugreifen: Text sollte stets gut lesbar dargestellt sein, d.h. nicht zu klein, es sollte mit starken Kontrasten gearbeitet werden, da Sehbehinderten so das Lesen leichter fällt. Text sollte logisch, d.h. nicht grafisch formatiert werden, z.B. sollte das “<strong>”-Tag anstelle von “<b>” verwendet werden. Dies wird empfohlen, da beim Vorlesen der Seite mit einem Screenreader dann der Inhalt verständlicher wird. Darüber lässt sich zwar streiten, aber dies ist nun mal eine der Richtlinien. Genau deshalb sollten auch Überschriften klar definiert werden (<h1>, <h2>, usw.). So wird die Struktur bzw, Hierarchie einer Seite schneller deutlich, denn Blinde lassen sich nicht alles und jeden Tag vom Screenreader auslesen, sondern höchstens anlesen.
Der Leser merkt schon, es ist ein Thema, dem man sich kaum zuwendet, das irgendwie unbequem ist und sowieso nur eine Randgruppe betrifft. Oder?
Nein, sind sich viele Autoren einig. Es gehe um den Zugang zu Informationen sowohl für Menschen mit Behinderungen als auch uneingeschränkte Nutzer. Einschränkungen wie Farbenblindheit oder Sehschwächen sind sehr verbreitet und auch in Anbetracht der wachsenden Nutzergruppe der betagteren Surfer nicht mehr von der Hand zu weisen. Es kann also schon ein
unüberwindbares Hindernis sein, einen roten Button zu klicken, wenn gerade eine Rot-Grün-Schwäche das Unterscheiden der Farben erschwert, wie auf dem
Blogging-Magazine zu lesen ist.
Es kommen sogar Synergieeffekte zustande, wenn man das SEO-Potential von barrierefreien Seiten betrachtet. Dahinter steht die Überlegung, dass auch der Suchmaschinen-Bot ein Besucher ist, ein blinder nämlich.
Sowohl Blinden als auch einem blinden Google-Bot sind aufwändige Flash-Animationen und Bilder völlig egal. Text, Text und Text lautet die Devise. Gerade auf der Startseite sollte der Google Bot zu lesen bekommen, worum es auf der Seite geht. Keyword Stuffing war gestern und begeistert auch den blinden und einen Screenreader nutzenden Leser wenig. Logisch formatierter bzw. wenigstens hervorgehobener Text wird hingegen auch vom Such-Bot als wichtiger erachtet, als der normal formatierte Text daneben.
Auch die Meta Description und die Title-Attribute von Links sowie alt-Texte von Bildern gewinnen in diesem Zusammenhang eine ganz neue Bedeutung. Dabei kann es nervig sein, wenn ein Screenreader die title-Attribute mit ausliest (normalerweise nicht, kann aber so eingestellt werden) und diese vom Seiten-Autor dazu genutzt werden, Keywords unterzubringen.
Für Blinde ist die Seitenbeschreibung eines der wichtigsten Kriterien, wenn sie sich auf einer neuen Seite bewegen. Die Namen der Links sind entscheidend, weshalb nicht nur aus SEO-Sicht klar wird, warum es sinnlos ist, einen Link “Hier klicken” zu nennen.
Natürlich benutzen Blinde auch keine Maus. Ich als Tastatur-Kürzel-Fan erinnere mich daran, dass ich es schon vor 8 Jahren gut fand, dass Google den Cursor sofort im Suchfeld platzierte, und man nicht erst auf einer mit Werbung überladenen Seite das Eingabefeld suchen musste. Zeit und Nerven gespart – in Sachen Web Accessibility sind das sicher Peanuts.
Der
tagSeoBlog liefert für Interessierte zahlreiche hilfreiche Tipps für das barrierefreie Web Design und erklärt auch nochmal,
warum Google eigentlich behindert ist. Dabei ist auch die Darstellung des Surfens durch eine blinde Nutzerin sehr lesenswert: Wer keine Vorstellung hat, wie man durch das Web navigiert, ohne irgendetwas zu sehen, gewinnt hier die nötigen Erkenntnisse.
Barrierefrei ist also nicht gleichzeitig suchmaschinenoptimiert und andersherum.
Es ist eine Herausforderung, die aber durchaus machbar ist und nicht nur für Anbieter und Nutzer Vorteile bringt, sondern auch die Effizienz einer Seite erhöhen kann, wie auch bei
webnauts.net zu lesen ist. (Oft wird die barrierefreie Gestaltung einer Webseite auch als zusätzliche Dienstleistung durch SEO-Agenturen oder Web-Designern angeboten.)
Neben den schon genannten Kriterien hilft es beispielsweise auch, Navigationsmenüs als Listen aufzubauen, Formularfelder immer mit Labels zu beschriften, damit Formularfelder eindeutig identifiziert werden können und zwecklose “Schmuckbilder” wegzulassen.
Interessant ist auch die Überlegung, dass Alternativen für Bild-Captchas angeboten werden sollten, wenn man mal an Communities etc. denkt.
Im Rahmen der
Onpage-Optimierung sollte man also nie vergessen: Google kann nicht sehen, Google kann nicht hören, Google kann keine Maus bedienen, Google kann eigentlich fast gar nichts – außer lesen.”